In der letzten Nacht trat Jesus in meine Zelle.
O, wie traurig und erhaben erschien der Christus!
Der Mond kam hinter ihm her in die Zelle
und machte ihn größer und trauriger.
Seine Hände schienen Lilien auf Gräbern,
die Augen tief wie Wälder.
Der Mond schlug mit Silber auf seine Gewänder
und silberte seine alten, gebrochenen Hände.
Verwundert sprang ich unter der alten Decke auf:
- Woher kommst du, Herr, aus welchem Zeitalter?
Jesus hielt sanft einen Finger vor den Mund
und gab mir ein Zeichen, still zu sein.
Er setzte sich neben mich auf die Matte:
- Leg deine Hand auf meine Wunden!
An seinen Knöcheln waren Spuren von Nägeln und Rost
als hätte er einst Ketten getragen.
Seufzend streckte er seine müden Glieder
auf meine Matte mit den Libellen.
Der Mond schien, aber die dicken Gitter
dehnten sich über seinen Schnee, Ruten.
Die Zelle schien ein Berg, die Kapuze schien
und Läuse und Mäuse wimmelten.
Ich fühlte, wie mein Kopf auf die Hand fiel
und schlief tausend Jahre...
Als ich aus der tiefen Dämmerung erwachte,
roch es nach Heu und Rosen.
Ich war in der Zelle und der Mond war da,
nur Jesus war nirgends...
Ich streckte die Arme aus, niemand, Stille.
Ich fragte die Wand: keine Antwort!
Nur die kalten, scharfen Strahlen,
durchbohrten mich mit ihrer Speere...
- Wo bist du, Herr? Ich schrie zu den Gittern.
Aus dem Mond kam Rauch von Kohlen...
Ich tastete mich ab... und auf meinen Händen,
fand ich die Spuren seiner Nägel.